„Glück in der Schule“ – keineswegs nur Spaßunterricht mit rosaroter Brille!3027556060_2_3_e95icmy4

Eine Stellungnahme der Glückslehrerin Martina Belling

Mehr und mehr taucht das Thema „Glück“ in Verbinndung mit Schule in den Medien auf. Viel fragen sich „Was soll das Ganze? Unsere Kinder und Jugendlichen sollen konzentrierter lernen, mehr gefördert werden, damit sie im späteren Berufsleben bessere Chancen haben! Und da soll so ein Spaßfach wie „Glück“ unterrichtet werden?????“

JA!

Immer mehr Schüler fühlen sich inzwischen erschöpft, überfordert, zum Teil sogar schon ausgebrannt. Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Michael Schulte-Markwort lehrt und arbeitet am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf und hat im Jahr 2015 ein Buch veröffentlicht mit dem bezeichnenden Titel „BurnOut Kids“.

Über das Buch:

Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert

Sie sind ausgelaugt, einfach fertig! Sie müssen perfekt sein für den Auftritt in der Klasse, als wäre es eine Casting-Show. Die Noten müssen stimmen, sonst ist das Leben vorbei, und sie sind nichts mehr wert. Und in der Freizeit wartet schon der nächste Trainer. In der Summe ist dieser Druck auf unsere Kinder unerträglich, denn die Gesellschaft hat sich dem Prinzip Leistung völlig unterworfen. Die Diagnose Burnout ist bei Erwachsenen alltäglich, doch nun bemächtigt sich die Erschöpfungsdepression der Kindheit. Professor Dr. Schulte-Markwort fordert ein Umdenken, damit unsere Kinder andere Werte finden, an denen sie sich orientieren können. (Quelle: bücher.de)

 

Woher kommt denn nun aber all dieser Druck?

Es gibt noch keine entsprechenden Untersuchungen zu dieser Frage – das Phänomen ist wohl noch zu „jung“!

Wahrscheinlich ist es aber, so denke ich zumindest, eine Summe vieler Umstände, allen zuerst natürlich der gesellschaftlichen Entwicklung.

In meiner Kindheit und Jugend (ich bin Jahrgang 1963) war es noch durchaus üblich, dass Kinder zur Hauptschule gingen – vor allem, wenn sie eine handwerkliche Berufsausbildung anstrebten. Nach der 9. Klasse verließen sie dann die Schule und begannen ihre „Lehre“. Daran fand niemand irgendetwas schlimm, verwerflich, erniedrigend.

Im Laufe der Zeit hat sich gerade die Schulwahl jedoch immens verschoben: alle wollen, müssen Abitur machen!

Meine eigenen Kinder (Jahrgang 91 und 98) begannen die Vorläufer, der mittlerweile richtig in Fahrt gekommenen „Karriere-Welle“ zu spüren.

Mein jüngerer Sohn kam eines Tages aus der Schule nach Hause und sagte mir mit dem tiefsten Brustton der Überzeugung: „Mama, ich muss zum Gymnasium. Sonst wird nichts aus mir!“ Er war zu diesem Zeitpunkt in der 3. Klasse!

Ich fragte ihn damals „Weißt du denn überhaupt, was ein Gymnasium ist?“ Er antwortete: “Nö!“

In seiner Grundschule, die wie die meisten Grundschulen derzeit am Ende der 4. Klasse (!) eine Schulempfehlung für die weiterführende Schule gab, hatte man also bereits in der 3.Klasse begonnen, die Kinder entsprechend „einzunorden“, ihnen also gleich klar zu machen, worum es ging, nämlich eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen.

 

Schule heute

Inzwischen hat sich die Schullandschaft noch viel mehr verändert. Das Ziel „Gymnasium“ scheint normal zu sein. Es wurden sog. „Oberschulen“ eingeführt, die eine Mischung aus Haupt-und Realschule sind – aber irgendwie besser klingen… (zu meiner Schulzeit nannte man das Gymnasium „Oberschule“!).

Nun ist es bestimmt nicht so, dass unsere Kinder alle auf einmal viel schlauer geworden wären und daher das Gymnasium einfach auf Platz 1 der beliebtesten Schulen steht. Aber: „Sonst wird ja Nichts aus den Kindern!“ Was für ein Ansatz!!! Diese Aussage impliziert ja, dass die Kinder noch nichts seien!!!

Es wird überall von „Förderung“ geredet. Auch im Kindergarten, in dem man früher einfach Kind sein konnte und bestenfalls soziale Regeln lernte, soll heute bereits mit Frühförderung, mit Englisch- oder sogar Mathematikunterricht begonnen werden! Dabei habe ich eher den Eindruck, die Bildung, vor allem die Allgemeinbildung, lässt immer mehr nach….

Wie auch immer. Diese Entwicklung, zusammen mit den häuslichen, familiären Veränderungen (häufig arbeiten beide Eltern, viele Kinder leben nicht mehr mit beiden leiblichen Eltern zusammen, …) plus den modernen Medien, wie Computer, Smartphones, soziale Netze und, und, und… lässt unsere Kinder und Jugendlichen völlig verunsichert, verstört, unkonzentriert und oftmals regelrecht unglücklich und einsam zurück.

Ich habe schon häufig von Erwachsenen den Ausspruch gehört: „Zum Glück bin ich damals aufgewachsen!!!“

 

Was kann man also tun?

Nun, die Schulen müssen sich -ob sie es wollen oder nicht – mit der Zeit umstellen. Aber dies ist ein fürchterlich langatmiger Prozess! Zudem hilft es den heutigen Kindern herzlich wenig, denn sie fühlen sich JETZT unter Druck, sie wissen JETZT oftmals nicht, was sie wollen, wohin sie wollen, wer sie überhaupt sind!

Und hier, genau hier, kann der Glücksunterricht ansetzen! Das Gute ist, er ist für alle Altersstufen, für alle Geschlechter anwendbar!

Jedes Kind, jeder Jugendliche wird dort abgeholt, wo er sich befindet. Man muss nur die passenden Zugänge kennen und nutzen….

Was passiert denn nun in solch einem „Glücksunterricht“?

Das kommt natürlich ganz auf die Altersgruppe an.

  1. Bei Grundschulkindern würde ich den eher spielerischen Weg nutzen, ihre Interessen (aktuelle Spielsachen, angesagte Filme etc.) mit einbauen, um sie besser zu erreichen. Dann kann man auch Grundschulkinder durchaus fragen, was für sie zum Glück dazu gehört, was ihr Herz hüpfen lässt, wovon sie träumen…. Auch, was sie „später einmal“ als Erwachsener arbeiten möchten, welchen Beruf sie ergreifen würden, ginge es dabei NICHT um Geld! Ein weiterer Aspekt wäre mit Sicherheit auch der Bereich „Ich und die Anderen“, also „Was macht mich aus?“, „Was sind meine Stärken -und auch Schwächen?“, „Wen oder was mag ich -und wen oder was eben nicht?“ Ich würde neben dem Begriff „Glück“ auch die Begriffe „Zufriedenheit“, „Mut“, „Angst“, „Liebe“ etc. besprechen, „bearbeiten“. Alles natürlich altersgerecht. Versteht sich!
  2. Bei Sekundarstufe I-Kindern, die ja auf direktem Wege zum Jugendlichen sind, aber auch noch sehr im Kindlichen stecken (auch wenn sie das nicht hören wollen!), spielt, glaube ich, bei den Mädchen vor allem das Aussehen, der sich entwickelnde Körper und insbesondere das Thema LIEBE eine große Rolle! Bei den Jungen, deren Entwicklung häufig verzögerter im Vergleich zu den Mädchen ist (Klassenfotos von z.B. Achtklässlern zeigen dies ganz wunderbar!!!), spielen Sport, körperliche Vergleiche (wer ist stärker, schneller etc.) und ein klein wenig auch das andere, ach so fremde Geschlecht eine Rolle. In den genannten Bereichen gibt es jede Menge Verunsicherungen und damit Chancen zum Unglücklichsein…. Auch hier würde ich – altersgerecht (s.o.) – Aktivitäten, Rollenspiele etwa oder auch Diskussionen durchführen. Ich könnte mir aber auch sehr gut künstlerische Methoden, wie z.B. Collagen, Malen, einen Song schreiben o.ä. vorstellen.
  3. Im Sekundarbereich II trifft man bereits auf junge Erwachsene –  wobei auch hier das Spektrum enorm ist! Hier spielen gesellschaftliche Strömungen, Politik und -in hohem Maße – auch die sozialen Netze wie Facebook, Instagram, Twitter etc. eine große Rolle. Die Jugendlichen sind oft ernster als noch im SEK I-Bereich, haben ihre kindliche Leichtigkeit verloren… Liebe und Sinn im Leben sind wichtig. „Wie will ich leben?“, „Wer bin ich?“ etc. stehen im Mittelpunkt. Mit dieser Altersgruppe kann man durchaus auch die Geschichte des Glücks, die verschiedenen Glücks-Philosophien z.B., besprechen. Es gibt eine Menge spannender Methoden, sich dem Thema Glück von allen Seiten zu nähern – natürlich auch hier altersentsprechend.
  4. Mit allen Altersgruppen würde ich trainieren, die eigenen Gedanken zu erkennen, zu beobachten und zu nutzen. Denn dies ist der Schlüssel zum Glück – wie man so schön sagt….

 

Das o.g. ist natürlich lediglich ein kleiner Ausblick auf das bunte Repertoire, das mir als Glückslehrerin zur Verfügung steht!

Ich bin aber fest davon überzeugt, dass das Thema „Glück“ in der Schule folgende positive – und auch nachhaltige! -Effekte hervorbringt:

  • Allgemeines Wohlbefinden
  • Körperliches Wohlbefinden
  • Erhöhte Lernmotivation
  1. Bessere Konzentrationsfähigkeit
  2. Mehr Erfolg
  3. Spaß beim Lernen
  4. Entdecken von Lebenszielen
  5. Besseres Selbstbewusstsein
  6. Entspannterer Umgang mit Anderen
  7. Erlernen von Methoden/Techniken zur Selbsthilfe (Meditation, Achtsamkeitsübungen, Resilienzübungen)
  8. Und schließlich Erkennen und Fühlen von Glücksmomenten!
  9. Diese Liste könnte sicherlich noch um Einiges erweitert werden….

 

Es lässt sich also abschließend sagen, dass es sich bei diesem Glücksunterricht keinesfalls um reinen „Spaßunterricht“ handelt – wobei er durchaus Spaß macht! Was übrigens auch ein Lerneffekt für die gestressten Schüler darstellt: Schule kann und darf auch Spaß machen!!! Langfristig dürften auch die Noten von dieser Art Unterricht profitieren…

Für mehr Informationen wenden Sie sich doch direkt an mich: 04486-9146669

Es grüßt Sie herzlich

Martina Belling

 

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